| Hintergrund |
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geknickte Strommasten

Münsterland Nov.2005
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Abhängigkeit von steter Energieversorgung
In einem hochtechnisierten Land wie Deutschland nutzen wir Energie fast so selbstverständlich wie Luft zum Atmen. Strom, Wärme und Treibstoff stehen im Normalfall rund um die Uhr, Tag für Tag und zu jeder Jahreszeit auf Knopfdruck bereit. Viele Energiedienstleistungen (z.B. Heizung, Warmwasser, Telefon, Internet) laufen weitestgehend automatisiert im Hintergrund ab. Erst wenn Störungen auftreten, z.B. ein Stromausfall, merken wir, wie weitreichend und tiefgehend die Abhängigkeit einer hochtechnisierten komplexen Industriegesellschaft von steter Energieversorgung ist
[33] .
Die bisher seltenen folgenreicheren Stromausfälle durch Schneekatastrophen (Münsterland Nov. 2005, Norddeutschland 1978/79) stellten die Struktur der Energieversorgung in Deutschland im Bewusstsein der meisten Menschen nicht dauerhaft grundsätzlich in Frage. Auch die durch den Nahostkonflikt verursachte Ölkrise 1973/74 mit anschließender Rezession zeitigte nur vergleichsweise schwache Anpassungsmaßnahmen, die nur halbherzig weiterverfolgt wurden, als das Öl wieder reichlich und preiswert floss
[1]. Unverändert blieb die Grundstruktur der Energieversorgung, geprägt durch wenige große zentrale Energieversorger
[2] und einem hohen Anteil fossiler und atomarer Energie am Primärenergieverbrauch
[3] verbunden mit geringer Energieeffizienz
[4] und einer hohen Energieabhängigkeit auch von fragwürdigen Lieferländern
[5].
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Energiewende-Szenario

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Energiewende zur Nachhaltigkeit
Die schwerwiegenden Folgen der globalen Erwärmung, verursacht vor allem durch das Verbrennen von Kohle, Erdöl und Erdgas, die zunehmenden Verteilungskonflikte um knapper werdende Ressourcen und die in der Folge zeitweise stark gestiegenden Energie-, Rohstoff- und Nahrungsmittelpreise zeigen jedoch, dass die jetzige Art der Energieversorgung auf Dauer so nicht weiter gehen darf. Eine Energiewende weg von den problematischen fossilen und nuklearen Primärenergien hin zu alternativen Energien muss möglichst zügig umgesetzt werden, um die Klimaerwärmung zu begrenzen und auf Dauer Versorgungssicherheit bei wettbewerbsfähigen Preisen zu gewährleisten, ohne künftigen Generationen unzumutbare Folgelasten aufzubürden. Eine in diesem Sinne nachhaltige Energieversorgung
ist die wohl wichtigste Herausforderung für das 21. Jahrhundert, zumal auch die Wasser-, Nahrungs- und Rohstoffversorgung zum großen Teil ein Energieproblem darstellen.
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Leitplanken nachhaltiger Energiepolitik
In seinem Hauptgutachten 2003 "Energiewende zur Nachhaltigkeit" definiert der WBGU sog. "Leitplanken", die konkretisieren, welche Kriterien eine nachhaltige Energieversorung erfüllen sollte.
- Ökologische Leitplanken: Klimaschutz; nachhaltige Flächennutzung; Schutz von Flüssen und ihren Einzugsgebieten; Schutz der Meeresökosysteme; Schutz der Atomosphäre vor Luftverschmutzung.
- Sozioökonomische Leitplanken: Zugang zu moderner Energie für alle Menschen; Deckung des individuellen Mindestbedarfs an moderner Energie; Begrenzung des Anteils der Energieausgaben am Einkommen; gesamtwirtschaftlicher Mindestentwicklungsbedarf; Risiken im Normalbereich halten; Erkrankungen durch Energienutzung vermeiden.
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Energiehunger

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Weltweiter Hunger auf Energie und Ressourcen
Die sich aktuell abzeichnenden Trends in der weltweiten Energieversorgung sind leider stark nicht nachhaltig. In den meisten Industrieländern steigt der Energie- und Rohstoffverbrauch - trotz teils verbesserter Effizienz - absolut immer noch an, da der Lebensstil immer energieaufwändiger wird (Rebound-Effekt)
[7], was zu einem enorm hohen Pro-Kopf-Verbrauch führt.
Die Schwellenländer, vor allem China, Indien und Brasilien, zeigen seit Jahren große Wachstumsraten. Daher steigt der Ressourcen- und Energieverbrauch absolut rasant und auch pro Kopf, da dort eine schnell wachsene Zahl von Menschen die Konsumorientierung der Industrieländer übernimmt
[8].
Die Entwicklungsländer haben gewaltigen Nachholbedarf und erwarten einen gerechteren Anteil an den globalen Ressourcen. Da die Weltbevölkerung von rund 6,8 Mrd. in 2009 auf voraussichtlich über 9 Mrd. in 2050 steigen wird
[9], ist im Ergebnis mit einer stark wachsenden Nachfrage nach Energien, Rohstoffen und Nahrungsmitteln zu rechnen.
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Energiequelle Natur
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Bietet die Erde genügend Potenzial, um diese Nachfrage auf nachhaltige Weise zu befriedigen?
Im Folgenden werden die Potenziale, Chancen und Risiken der verschiedenen Energiearten in Bezug auf eine nachhaltige Energieversorgung in Extraseiten analysiert:
Im Ergebnis zeichnen sich folgende Perspektiven ab:
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Kipp-Punke im
Klimasystem

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Eine nachhaltige Energieversorgung kann auf Dauer nur auf erneuerbaren Energien aufbauen, da die fossilen Rohstoffe bzw. Uran für Kernkraftwerke begrenzt sind und sich z.B. Erdöl innerhalb von wenigen Jahrzehnten so verknappen und in der Folge verteuern wird, dass es seine Wettbewerbsfähigkeit einbüßt
[10]. Außerdem würde die weitere Verbrennung fossiler Energien im bisherigen Ausmaß (oder sogar noch gesteigert
[11]) über den Treibhauseffekt die globale Erwärmung immer weiter steigern und schließlich Kipp-Punkte im Klimasystem auslösen, wodurch irreversible sich selbst verstärkende Klimawandelprozesse in Gang gesetzt würden, was umbedingt verhindert werden muss, damit sich die Menschheit noch halbwegs an die Folgen der Klimaerwärmung anpassen kann. Klimaforscher schätzen, dass dazu die 2 °C-Schwelle nicht überschritten werden darf. Selbst wenn die CO2-Emissionen nur so weiter steigen wie im Jahr 2007, würde die kritische Schwelle schon etwa 2038 überschritten werden
[12]. Die IEA rechnet aber sogar mit einem verstärkten Anstieg der Treibhausgas-Emissionen, insbesondere weil in China und Indien der derzeitige starke Zubau von Kohlekraftwerken vermutlich mindestens noch einige Jahre weitergeführt wird
[13].
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Klimabilanz der
Stromerzeugung

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Zwar stoßen Kernkraftwerke direkt im Betrieb keine Treibhausgase aus und werden daher in der Debatte über die künftige Energieversorgung wieder im Hinblick auf den Klimaschutz von Kernenergiebefürwortern propagiert. Bei einer umfassenden Treibhausgasbilanz unter Einbeziehung des gesamten Lebenszyklus' (Urangewinnung; Herstellung der Brennstäbe und ihre Wiederaufbereitung; Aufbau, Betrieb und Abriss von Kernkraftwerken; Atommüll-Endlagerung) schneiden Kernkraftwerke schlechter ab als moderne Gas-Blockheizkraftwerke
[14].
Als Risikotechnologie (ernste Störfälle/ Reaktorkatastrophen, nukleare Proliferation, Terrorangriffe auf Atomanlagen, Atommüll) darf die Kernenergie allenfalls als Übergangsenergie für wenige Jahre weiter genutz werden, bis sie die Energiewende überflüssig macht. Laut 2000 beschlossenem Atomausstieg soll die Kernkraft in Deutschland etwa um 2022 auslaufen, laut Studie "Klimaschutz: Plan B 2050" könnte der Ausstieg schon bis 2015 geschafft werden. Die Atomenergiebefürworter streben allerdings eine Verlängerung der Restlaufzeiten oder sogar eine generelle Aufhebung des Atomausstiegs an.
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Fusionsreaktor Iter

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Eine vermutlich weitaus geeignetere Nutzung von Atomenergie wäre die Energie aus der Kernfusion statt aus der bisherigen Kernspaltung: Fusionsenergie gilt als relativ "sauber", unerschöpflich und klimaneutral und wäre daher geeignet für eine nachhaltige Energieversorgung. Derweil ist aber nicht absehbar, ob Forschung und Entwicklung z.B. mit dem ITER jemals zum Erfolg führen werden. Optimistischen Schätzungen zufolge könnte die Fusionsenergie frühestens ab 2050 in ersten Ansätzen kommerziell nutzbar sein. Im großen Maßstab wird sie allenfalls im 22.Jahrhundert verfügbar sein. Die Kernfusion bietet daher keine Lösung für die nächsten Jahre, in denen der grundlegende Umbau der Energieinfrastruktur im Sinne der Energiewende forciert werden muss.
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Kohlekraftwerke

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In der Befürchtung, dass die erneuerbaren Energien nicht schnell genug ausgebaut werden können, um die im Zuge des Atomausstiegs stillgelegten Atomkraftwerke zu ersetzen, wird derzeit wieder verstärkt die Nutzung der weltweit noch reichlich vorhandenen und breit gestreuten Kohlevorräte empfohlen
[15]. Es bestehen jedoch erhebliche Zweifel, ob der seit 2005 eingeführte Emissionshandel und weitere Maßnahmen im Rahmen des Kyoto-Protokolls
[16]sowie CCS-Technologien einen hinreichend großen Beitrag zur Treibhausgasreduktion werden leisten können, um die beschlossenen Klimaziele tatsächlich zu erreichen
[17].
Den weitaus größten und kurzfristig umsetzbaren Beitrag zu einer nachhaltigen Energieversorgung können derzeit der Abbau der Energieverschwendung und die Erhöhung der Energieeffizienz leisten
[18].
Im Hinblick auf die Entwicklungspotenziale weltweit und auf Ländergruppen bezogen zeichnen sich folgende Perspektiven ab:
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Erde übergreifend:
Der bisherige ressourcenaufwändige Lebensstil der Industrieländer, der von den aufstrebenden Schwellenländern zunehmend übernommen wird, hat immer mehr zur Übernutzung der Erde geführt
[19]. Die Erschließung regenerierbarer Ressourcen reicht auf absehbare Zeit nicht aus, diesen Lebensstil so weiter zu führen, geschweige denn auf immer mehr Menschen auszuweiten. Die im Zuge der Globalisierung immer noch wachsenden Stoff- und Energieströme müssen mit Nachhaltigkeitsstrategien
[20]drastisch reduziert werden.
Während die Sektoren Strom und Wärme vergleichsweise einfach durch erneuerbare Potenziale abgedeckt werden können, wird der Vekehrssektor vermutlich besondere Probleme bereiten: Es ist unrealistisch, Treibstoffe selbst nur im bisherigen Umfang kurz- bis mittelfristig allein durch nachwachsende Rohstoffe nachhaltig, insbesondere ohne Beeinträchtigung der Nahrungsmittelproduktion, bereitzustellen. Zwar kann in einer Übergangszeit mehr Erdgas eingesetzt werden, dennoch wird vermutlich in den nächsten Jahrzehnten eine Reduzierung und Umstrukturierung des Verkehrs weltweit notwendig werden, falls die Klimaerwärmung hinreichend schnell begrenzt werden soll (2 °C-Schwelle)
[21]. Mittel- bis längerfristig können nachhaltig erzeugte alternative Treibstoffe eine Perspektive bieten, z.B. sog. Treibstoffe der 2. und 3. Generation aus Biomasse
[22], oder auch Wasserstoff, erzeugt aus Biomasse oder mit Ökostrom, falls dieser künftig in ausreichendem Umfang zur Verfügung steht. Dann könnten auch Elektrofahrzeuge nennenswerte Anteile einer nachhaltigen Mobilität ermöglichen.
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Faktor 10 Institut
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Industrieländer übergreifend:
Um den Treibhausgasausstoß und Rohstoffverbrauch hinreichend zu reduzieren, muss der bisherige ressourcenfressende Lebensstil der Industrieländer insgesamt um den Faktor 10 in einem Zeitraum bis etwa 2050 abgebaut werden. Dies scheint technisch machbar, allerdings politisch nur schwer umsetzbar zu sein
[23]. Zwar konnte die Ressourceneffizienz in manchen Ländern gesteigert werden, der Rohstoff- und Energieverbrauch ist absolut aber dennoch gestiegen, weil immer mehr Güter und Dienstleistungen konsumiert werden (Rebound-Effekt)
[24] [25]. |
Potenzial
erneuerbarer Energien
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Schwellenländer übergreifend:
Sie streben den Lebensstil der Industrieländer an, was in der Summe zur fortschreitenden Übernutzung der Erde führt. Je schneller auf eine nachhaltige Entwicklung umgesteuert wird, desto mehr Chancen verbleiben den jetzt jungen Menschen und künftigen Generationen. Das schon mit den jetzigen technischen Mitteln nutzbare Potenzial regenerierbarer Ressourcen ist global 5,9 mal so groß wie der gesamte weltweite Energieverbrauch
[26]. Auch regional reicht er oft rein rechnerisch meist aus, muss aber erst erschlossen werden, was manche Schwellenländer aus eigener Kraft kaum schaffen werden. Ob im Rahmen der globalen Klimaschutzpolitik (Post-Kyoto-Prozess) wirksame Ausgleichs- und Unterstützungsmaßnahmen seitens der Industrieländer tatsächlich umgesetzt werden, bleibt einstweilen unsicher
[27].
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Entwicklungsländer übergreifend:
Bisher sind die Entwicklungsländer überwiegend Opfer der weltweit nicht nachhaltigen Entwicklung: Rohstoffarme Länder leiden unter hohen Energie-, Rohstoff- und Nahrungsmittelpreisen und den wachsenden Folgen der Klimaerwärmung; in rohstoffreichen Ländern verhindert vielerorts der sog. "Rohstofffluch" ebenfalls eine nachhaltige Entwicklung. Je mehr die Industrie- und Schwellenländer auf die Nutzung fossiler Energien verzichten, desto mehr können diese in einer Übergangszeit von den ärmeren Ländern genutzt werden, bis auch sie auf Dauer mittels Technologietransfer aus den entwickelten Ländern befähigt werden, erneuerbare Energien in ausreichendem Maße zu nutzen
[28].
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Supergrid

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Deutschland und Europa:
Eine Energiewende ist - im Hinblick auf den Klimaschutz (2 °C-Schwelle) - noch rechtzeitig möglich, falls die Energieeffizienz zügig und drastisch gesteigert und die Energieverschwendung abgebaut wird durch Umstrukturierung und Dezentralisierung der Energieversorgung, so dass Abwärme mit Kraft-Wärme-Kopplung vielerorts genutzt wird. Außerdem müssen die erneuerbare Energien weiter stark ausgebaut werden
[29]. Um die Versorgungssicherheit und wettbewerbsfähige Preise zu gewährleisten, sollten mit modernster Technologie gesteuerte Großverbundnetze (Supergrid) aufgebaut werden, die z.B. alle EU-Länder sowie die Staaten der am 13.07.08 beschlossenen Mittelmeerunion umfassen
[30]. Die genau ein Jahr später gegründete DESERTEC-Initiative greift diese umfassenden Konzepte allerdings nur in verkürzter Form auf (s. Pro-Contra DESERTEC).
Wie schnell die Energiewende geschafft wird, scheint weniger ein technisches Problem sondern vor allem eins der Umsetzung in Politik und Wirtschaft zu sein, wo immer noch erhebliche Verharrensmomente bestehen
[31]. In Deutschland kann der beschlossene Atomausstieg realistischerweise nur dann wie geplant weitergeführt werden, wenn die Steigerung der Ressourcen- und Energieeffizienz deutlich schneller als bisher vorangetrieben wird
[32].
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