Hintergrund |
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Entstehung von
Erdöl und Erdgas
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Entstehung von Erdgas:
Erdgas hat sich überwiegend zusammen mit Erdöl gebildet und stammt daher meist aus den gleichen Fundorten wie Erdöl. Erdgas ist wie Erdöl entstanden aus abgestorbenen Meeresorganismen wie Plankton und Algen, die auf den Meeresboden abgesunken sind und dort im Verlaufe von Jahrmillionen zusammen mit weiteren Sedimenten mächtige Schichten ausgebildet haben, die sich dann unter Abwesenheit von Sauerstoff und unter hohem Druck sowie Temperaturen zwischen 50 bis 120 °C zu mehr oder weniger komplexen Kohlenwasserstoffen gewandelt haben, ein Teil davon in gasförmiger Form, darunter vor allem Methan, das der Hauptbestandlteil von Erdgas ist. Es gibt aber auch reine Erdgasfelder, die aus bakterieller Zersetzung organischer Stoffe am jeweiligen Fundort entstanden sind. Größere derartige Gasfelder finden sich in Norwegen, Katar und Russland und werden auch im Iran vermutet
[1] .
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Erdgas ist eine erschöpfliche Energiequelle:
Da es Jahrmillionen dauert, bis sich Erdgas aus abgestorbener Biomasse bildet, entsteht kein neues Erdgas innerhalb von für Menschen relevanten Zeiträumen. Im Gegensatz zu erneuerbaren Energien, die sich aus unerschöpflichen Energiequellen speisen, ist die Erdgas-Menge endlich, und es stellt sich die Frage, wie lange sie noch reichen wird.
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Erdgas-/ Erdöl-
Reserven weltweit

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[WEG]
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Reserven und Ressourcen:
Bei Vorkommen von Erdgas (wie auch bei anderen fossilen Energien) unterscheiden Geologen zwischen "Reserven" und "Ressourcen" anhand zweier Kriterien:
I: Das Vorkommen ist geologisch sicher durch Bohrung bestätigt
II: Das Vorkommen ist mit heutiger Technik und zu heutigen Preisen rentabel förderbar
Erfüllt eine Erdgas-Lagerstätte beide Kriterien, zählt sie zu den "Reserven" andernfalls zu den "Ressourcen": Bei den "Ressourcen" handelt es sich also entweder um Vorkommen, deren Vorhandensein aufgrund geologischer Bedingungen zwar für wahrscheinlich gehalten wird, die aber noch nicht durch Bohrung bestätigt sind, oder die Vorkommen sind zwar bestätigt aber (noch) nicht rentabel gewinnbar. Aus "Ressourcen" können "Reserven" werden, indem ein Gasvorkommen, das bisher Kriterium I aber nicht II erfüllte, z.B. durch Ansteigen des Gaspreises oder durch verbesserte Technik förderwürdig wird
[2] . So wird z.B. in den USA sog. "shale gas" aus Schieferschichten seit einigen Jahren durch horizonale Bohrungen mit einem drehbaren Meißel und durch hydraulisches Aufspalten von Gesteinsschichten zunehmend rentabel gewonnen. Die Reserven an "shale gas" gelten weltweit als enorm und manche Experten erwarten eine Revolution auf dem Erdgasmarkt
[37]
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Reichweite von Erdgas:
Erdgas-Daten weltweit 2007: Angaben in Milliarden Kubikmetern (Giga m³ = Gm³):
Reserven: 175.005; Förderung: 2.944; Verbrauch: 3.033
[3] ;
Reserven + erwartete Ressourcen: 390.000;
konventionelles Gesamtpotenzial: 476.000
[4];
gesamte Ressourcen (konventionell + unkonventionell*): 1.740.000
[5];
* Können Ressourcen mit konventioneller Fördertechnik erschlossen werden, werden sie mit "konventionell" andernfalls als "unkonventionell" bezeichnet. Dabei handelt es sich um Erdgas aus dichten Lagerstätten, z.B. Kohleflözgase, Gashydrate und Aquifergase
[6] .
Prognosen zur Reichweite von Erdgas variieren stark je nach Annahmen über die Entwicklung von Nachfrage und Angebot sowie den veranschlagten Reserven, die vom Gaspreis und der Fördertechnik abhängen, wie oben beschrieben. Bei Fortschreibung des Jahresverbrauchs in 2007 ergibt sich eine "statische Reichweite" (bei konstantem Verbrauch) von 175.005/3.033 ≈ 58 Jahren.
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Energieszenarien

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[WBGU]
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Die reine Fortschreibung des jetzigen Verbrauchs ist jedoch angesichts des schnell wachsenden Energieverbrauchs in vielen Ländern (besonders in den BRIC-Staaten und weiteren Schwellenländern) unrealistisch. In manchen Energiewende-Szenarien ist mit einem starken Wachstum der Gas-Nachfrage zu rechnen, u.a. weil mit dem Ziel der CO2-Reduktion Erdöl und Kohle immer mehr durch das klimafreundlichere Erdgas substituiert werden sollen: Erdgas als Treibstoff statt Benzin/ Diesel und Erdgas statt Kohle als Brennstoff bei der Gebäudeheizung/ zur Stromerzeugung in Kraftwerken
[7] . Der weltweite Erdgasverbrauch stieg von 2.663 Gm³ in 2002 auf 3.033 Gm³ in 2007, das entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 2,64 %
[8] . Schreiben wir diese Wachstumsrate fort, beträgt die sog. "dynamische Reichweite" nur noch 36 Jahre [9] .
Solche Hochrechnungen zur Reichweite von Erdgas sind aber sehr problematisch, weil weder konstante Wachstumsraten über längere Zeiträume realistisch sind noch die Entwicklung der Reserven hinreichend präzise abgeschätzt werden kann, wie weit also bestehende Gasfelder schon verbraucht sind und in welchem Umfang und zu welchen Preisen neue noch erschlossen werden können. Vor allem die Klimaschutzpolitik setzt auf eine verstärkte Substitution von Öl und Kohle durch Gas, weil Gas emissionsärmer ist, ohne Rußbildung verbrennt und unter den fossilen Energieträgern den geringsten CO2-Ausstoß hat, rund 30 % weniger als Kohle und 40 % weniger als Öl
[10] . Von daher ist mit einer steigenden Gas-Nachfrage zu rechnen, die aber bald auf ein unzureichendes Angebot stoßen kann, wie die folgenden Analysen zeigen.
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EU-Gasversorgung

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[ASPO]
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Drohende Lücke zwischen Angebot und Nachfrage:
Mit starken Preisanstiegen und in der Folge weltwirtschaftlichen Verwerfungen ist schon weit vorm Versiegen der Erdgas-Reserven zu rechnen, nämlich ab dem Zeitpunkt, wo die Nachfrage auf Dauer nicht mehr gedeckt werden kann. Für Europa befürchtet die ASPO
[11] , dass bereits ab 2010 Versorgungsprobleme auftreten können
[12] , wie im folgenden näher dargestellt wird.
Anders als beim Öl ist die Gasversorgung bisher stark an Pipelines gebunden und daher regionalisiert. In der Folge haben sich weltweit vier große Gas-Märkte herausgebildet, die untereinander wenig verbunden sind: Europa, das vor allem durch Russland, Norwegen, Niederlande und Algerien beliefert wird; Nordamerika, wo Kanada die USA versorgt; Südamerika mit hauptsächlich Bolivien als Lieferant für Brasilien und Chile; Ostasien, wo vor allem Japan und Südkorea Flüssig-Erdgas aus Indonesien, Malaysia, Australien und den Golfstaaten (allen voran Qatar, Oman) importieren
[13] . Aufgrund des Transports per Pipeline, aber auch beim Flüssig-Erdgas (LNG= Liquefied Natural Gas), haben sich langjährige feste bilaterale Beziehungen herausgebildet, die nicht kurzfristig geändert werden können. Soll künftig mehr Gas importiert werden, muss also zunächst das Förder-Potenzial der jeweiligen Region und die Perspektiven der dort etablierten Gas-Vertragspartner analysiert werden.
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Gas-Welt 2007

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Erdgas-Daten weltweit für 2007:
Unter den Primärenergieträgern liegt Erdgas mit einem Anteil von rund 36 % an dritter Stelle
[14] . Insgesamt wurden 2944,2 Milliarden Kubikmeter (Giga m3= Gm3) gefördert und 3032,7 Gm3 verbraucht. Russland und die USA sind mit Abstand die größten Förder- und zugleich Verbrauchsländer, wobei Russland einen Überschuss von 185 Gm3 exportiert, während die USA ein Defizit von 102 Gm3 über Importe decken müssen. Unter den weiteren Top10-Förderländer produzieren Kanada, Norwegen, Algerien, Saudi-Arabien, Indonesien und die Niederlande Überschüsse, während Großbritannien und Iran zusätzlich Gas importieren müssen. Die mit Abstand gasreichsten Länder sind Russland (47544 Gm3 ), Iran (26834) und Katar (25620). Mit deutlichem Abstand folgen auf Platz 4 bis 10 Saudi-Arabien (7149), Ver.Arab.Emirate (6068), USA (5974), Nigeria (5207), Venezuela (4705), Algerien (4500) und Irak (3168). Aufgrund ihres hohen Eigenverbrauchs werden die USA auf Dauer der größte Netto-Importeur bleiben. In 2007 musste Iran zusätzlich zur Eigenförderung von 105 Gm3 noch 12,7 Gm3 importieren
[15] . Wann Iran angesichts seiner reichen Reserven zum potenten Netto-Exporteur werden kann, bleibt angesichts der dortigen unsicheren politischen Verhältnisse (u.a. Atomstreit) einstweilen unklar.
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Abhängigkeit von
russischem Gas

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Erdgas-Daten Europa:
Verbraucht wurden 2007 insgesamt 588,1 Milliarden Kubikmeter (Giga m3= Gm3), die Förderung betrug 306,4 Gm3 [16]. Importe in die EU aus: Russland 147,5; Norwegen 86,0; Flüssigerdgas (LNG) 51,9; Algerien (ohne LNG) 32,7; Rest der Welt 28,2
[17]. Im Jahr 2005 betrug der Anteil von Importen aus Nicht-EU-Staaten 56 %, bis 2030 wird dieser Anteil nach Prognosen der EU-Kommission stetig auf 84 % wachsen
[18]. Wegen der Lieferausfälle im Januar 2009 infolge des Gasstreits zwischen Russland und der Ukraine steht die Energieabhängigkeit der EU von Russland aktuell besondes im Fokus der Energiepolitik. Der Anteil der Gasimporte aus Russland variiert von 100 % (Finnland, Estland, Lettland, Litauen, Slowakei, Bulgarien) über 60-99,9 % (Polen, Österreich, Tschechien, Ungarn, Kroatien, Slowenien, Griechenland), 30-59,9 % (Deutschland, Italien, Rumänien ) bis zu 0-29,9 % (Frankreich)
[19].
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Transit-Pipelines
betroffene Länder

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[tagesschau]
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Erdgas-Daten für Deutschland 2007:
Beim Primärenergieverbrauch liegt Erdgas mit einem Anteil von 22,7 % nach Mineralöl (33,8 %) auf dem 2. Platz. Insgesamt wurden 97,1 Milliarden Kubikmeter (Gm3) Erdgas verbraucht, hauptsächlich für die Wärme- und Stromerzeugung, importiert wurden 80,1 Gm3 (82,5 %)
[20]. Die Top3-Gaslieferländer waren Russland (37 %), Norwegen (24 %) und die Niederlande (18 %), außerdem bieten 46 Gasspeicher mit zusammen rund 20 Gm3 einen Vorrat, der auch bei hohem Gasverbrauch im Winter die Gasversorgung über ca.5 Wochen sichert. Das Gas aus dem Hauptlieferland Russland kommt auf zwei Wegen nach Westen: 20 % über die durch Weissrussland verlaufende Jamal-Pipeline, der Hauptanteil von 80 % über Pipelines durch die Ukraine. Der Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine im Januar 2009 führte zum zeitweiligen Lieferausfall, von dem 18 Länder Europas betroffen waren
[21]. Vor diesem Hintergrund ist die noch wachsende Energieabhängigkeit von Russland problematisch, wie im folgenden detaillierter analysiert wird.
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Ostsee-Pipeline

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[Wiki]
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Ostsee-Pipeline (Nord-Stream):
Da die Gasförderung der Niederlande schon jetzt und die von Norwegen voraussichtlich spätestens ab 2015 rückläufig sein wird
[22], wird der Anteil von Russland noch wachsen, was problematisch ist, da Russland nach Unterbrechung von Gaslieferungen infolge von Streitigkeiten mit den Gas-Transitländern Weissrussland/Ukraine nicht mehr als verlässlicher Lieferant gelten kann. Um die unsicheren Transitländer zu umgehen, soll eine neue Gaspipeline vom russischen Wyborg bei St.Petersburg durch die Ostsee nach Lubmin bei Greifswald in Ostdeutschland gebaut werden. Diese Nord-Stream-Pipeline wird 1200 km lang sein, etwa 7,6 Mrd. Euro kosten und soll ab 2012 eine Transportkapazität von 55 Mrd. m3/Jahr bereitstellen. Am 09.12.05 begannen die Bauarbeiten für den Landabschnitt der Pipeline in Russland. Die Verlegung der Rohre in der Ostsee steht aber immer noch aus, weil vor allem Schweden und Finnland Umweltrisiken einwänden und noch Umweltgutachten ausstehen, die für März 2009 angekündigt sind. Polen und die baltischen Staaten sind gegen die Ostsee-Pipeline, da sie Machtverlust und steigende Gaspreise befürchten
[23].
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Gas-Pipelines

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[ZEIT 3/06]
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Aufgrund des neuerlichen Gasstreits Russlands mit der Ukraine um die Jahreswende 2008/9 (Lieferausfälle im Januar 2009) hat in der gesamten EU wie schon 2005/6 eine intensive Debatte über die Energieabhängigkeit von Russland und die Notwendigkeit der Diversifizierung von Lieferländern und Transportwegen eingesetzt, in der die Ostsee-Pipeline zunehmend kritisch bewertet wird. Manche Experten halten die Forcierung der Energiewende und den zügigen Ausbau von geplanten alternativen Pipelines aus der Kaukasus-Region und aus Nordafrika über das Mittelmeer sowie den Ausbau des Imports von Flüssig-Erdgas (LNG = Liquified Natural Gas) für sinnvoller
[24] (ausführlicher: s.u.)
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Nabucco-Trasse

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[Wiki]
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Nabucco-Pipeline:
Um die Abhängigkeit vom russischen staatsmonopolistischen Konzern Gazprom und vom unsicheren Transit über die Ukraine/ Weissrussland abzubauen, sollen die reichen Erdgasvorkommen aus der Region um das Kaspische Meer, dem Iran, Irak und Zentralasien für Europa verfügbar werden. Die geplante Nabucco-Pipeline schließt in Erzurum (Türkei) an die Südkaukasus-Pipeline an und führt über Bulgarien, Rumänien und Ungarn zum zentralen Gas-Verteilerzentrum der OMV in Österreich. Von dort kann das Gas in bestehende Pipelines für Mittel-/Westeuropa eingespeist werden. Die Nabucco-Pipeline wird 3300 km lang sein, soll bis 2013 fertiggestellt werden und wird nach jetzigem Stand 7,9 Mrd. Euro kosten. Geplant ist eine Anfangskapaziät von 8-10 Mrd. m3/Jahr, die je nach Marktentwicklung auf bis zu technisch möglichen 31 Mrd. m3/Jahr ausgeweitet werden kann
[25]. Ob solch ein großes Volumen je erreicht wird, ist allerdings fraglich. Bisher hat nur Aserbaidschan, das aber auch langfristige Verträge mit Gazprom geschlossen hat, Lieferungen zugesichert. Die möglichen weiteren Lieferländer Iran (Nr.2 der Top10-Gasreserven), Kasachstan, Turkmenistan und Usbekistan geraten wegen ihrer diktatorischen Verhältnisse und zahlreichen Menschenrechtsverletzungen zumehmend in die Kritik. Ihre Verlässlichkeit als Lieferländer scheint angesicht mangelnder politischer Stabilität fragwürdig, insbesondere bei Iran, wo zusätzlich der Atomstreit das Verhältnis zum Westen belastet. Trotzdem werden diese problematischen Länder durch die Europäische Union (EU), aber auch von China und Indien in ihrem Energiehunger immer mehr umworben. Neben der schon bestehenden Pipeline von Kasachstan nach Xinjiang plant China eine neue 3000 km lange von Turkmenistan nach Xinjiang und von dort weitere 6000 km bis zur Küstenregion Guangdong
[26].
Auch im Irak ist die Lage nach dem Irakkrieg 2003 immer noch desolat und die Zukunft ungewiss, es kann daher kaum abgeschätzt werden, ab wann Irak seine Gasreserven von 3168 Mrd.m3 (Nr.10 der Top10-Gasreserven) mobilisieren kann und zum nennenswerten Gasexporteur wird.
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South-Stream

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Neben China und Indien hat auch Russland ein starkes Interesse an den Gasreserven Kasachstans, Turkmenistans und darüber hinaus aus dem Iran: Obwohl Russland das erdgasreichste Land ist, hat es anscheinend Probleme, seine eigene Gasförderung schnell genug zu steigern, um die wachsende Nachfrage abzudecken. Um seine langfristigen Lieferverträge bedienen zu können, versucht der russische Energiekonzern Gazprom möglichst viel Gas aus seinen Nachbarländern aufzukaufen und in Konkurrenz zur Nabucco- in die South-Stream-Pipeline einzuspeisen, die vom russischen Schwarzmeerhafen Noworossijsk durch das Schwarze Meer und dann über Bulgarien nach Italien/ Österreich führen soll. Vor dem Hintergrund dieser belastenden Faktoren stößt das Nabucco-Projekt auf zunehmende Bedenken, zumal auch seine Finanzierung nicht gesichert ist
[27]. Hinzu kommt, dass die Türkei damit gedroht hat, den Bau der Nabucco-Pipeline mit dem EU-Beitritt zu verknüpfen
[28].
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Pipelines aus Afrika

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Pipelines aus Afrika nach Europa:
Wegen der unsicheren Perspektiven einer Gas-Versorung aus Nahost und Zentralasien werden die reichen Erdgas-Reserven Nordafrikas, vor allem Algeriens (Nr.9 der Top10-Gasreserven), für die Energieversorgung der EU immer wichtiger. Vor kurzem wurde die Rohrverlegung einer neuen Pipeline durchs Mittelmeer von Beni Saf (Algerien) nach Almeria (Spanien) beendet. Voraussichtlich im Herbst 2009 wird diese "Medgaz"-Pipeline in Betrieb gehen und dann rund 8 Mrd. m3 Gas jährlich zum Hauptabnehmer Spanien transportieren. Überangebote werden ins transeuropäische Gasnetz eingespeist und vor allem Portugal und Frankreich bedienen.
Weitere Pipelines sind geplant: Ab 2012 soll "Galsi" bis zu 10 Mrd.m3 von Algerien über Sardinien zum italienischen Festland liefern. Die größten Gasreserven Afrikas werden in Nigeria vermutet: Geplant ist eine 4300 km lange Transsahara-Pipeline über Nigeria und Niger nach Europa mit einer Kapaziät von 30 Mrd.m3/ Jahr.
Außerdem werden bestehende Gasleitungen ausgebaut: Die "Transmed" von Algerien über Tunesien nach Sizilien von 24 auf 33 Mrd.m3; die „Maghreb-Europa“ von Algerien über Marokko und die Meerenge von Gibraltar nach Südspanien von knapp 9 auf fast 12 Mrd.m3.
Ein weiteres interessantes Potenzial bieten die noch wenig erschlossenen Gasfelder Libyens: Die Kapazität der "Green-Stream" von dort nach Sizilien soll von 8 auf 16 Mrd.m3 verdoppelt werden
[29].
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Strategische Ellipse

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[BGR]
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Diversifizierung von Lieferländern und Transportwegen:
Alleine 69 % der Weltgasreserven (und 71 % der Ölreserven) liegen in einem relativ eng begrenzten Gebiet, der sog. "Strategischen Ellipse", die vom nahen Osten über das Kaspische Meer bis nach West-Sibirien reicht
[30]. Alle dortigen Gasländer sind politisch instabil und zeigen ungünstige Perspektiven für die Zukunft, was auch für die Gasländer Afrikas (Algerien, Nigeria, Libyen) zutrifft. Fast überall werden breite Schichten der Bevölkerung nicht am Rohstoffreichtum beteiligt, sondern leiden unter den Folgen von Korruption, Unterdrückung, Despotismus, Gewalt und Misswirtschaft (Rohstofffluch). Immer wieder gab es Unruhen, Sabotageakte, Aufstände und Putsche bis hin zu Regimewechseln, die auch künftig zu erwarten sind. Die geplante Ausweitung der Gasimporte aus diesen problematischen Lieferländern hauptsächlich über Pipelines bietet auf Dauer nicht genügend Sicherheit, selbst wenn künftig weitere Gaslieferländer in Nahost/Zentralasien und in Nordafrika einbezogen werden.
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LNG-Import EU

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[ZEIT]
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Verflüssigtes Erdgas / LNG:
Energieexperten fordern daher den Aufbau einer Infrastruktur für Flüssig-Erdgas (LNG), die eine weitergehende Diversifizierung der Lieferländer und Transportwege ermöglicht. Das Erdgas wird durch Abkühlung auf - 161 ° C verflüssigt, wobei sich das Volumen auf 1/600 reduziert. Dadurch wird der Transport per Spezial-Tankern sinnvoll, die bisher rund 100 Mio.m3 Erdgas fassen. Inzwischen werden Supertanker mit einer Kapazität von sogar 150 Mio m3 gebaut. Mittels Tankern kann Gas also wie Öl prinzipiell von jedem Ort der Erde her bezogen und auch schnell umdisponiert werden. Erst dadurch kann sich überhaupt ein funktionierender weltweiter Gasmarkt herausbilden, der die Importeure unabhängiger macht von jetzt noch vorherrschenden bilateralen Verträgen, gebunden an Pipelines, über die bisher 90 % des Erdgases nach Europa importiert werden. Inzwischen werden weltweit ca. 180 Mrd.m3 LNG umgesetzt. Nach Prognosen von Energieexperten wird die LNG-Kapazität mit etwa 7 % pro Jahr wachsen (Verdopplung in etwa 70/7 = 10 Jahren
[31]) und immer mehr eine Alternative zu den Pipelines bieten, die ohnehin nur bis 3000 km Länge als kostengünstiger gelten
[32]. Der Ausbau einer weltweiten LNG-Infrastruktur kann auch helfen, der möglichen Machtentfaltung durch die begonnene Kartellbildung einer Reihe von Erdgasstaaten zu begegnen.
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Gas-Kartell

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Erdgaskartell GECF:
Unter dem drastischen Verfall der Energiepreise seit etwa Mitte 2008 leiden auch die Gas exportierenden Länder, was sie zu stärkerer Zusammenarbeit motiviert. Deshalb haben 14 große Gas-Exporteure nach dem Vorbild der OPEC am 23.12.08 ein Kartell gegründet, das sog. "Gas-Exporting Countries Forum" (GECF) mit Sitz in Doha (Katar). Von den Top10-Gasförder-Ländern nehmen Russland, Iran, Algerien und Indonesien am GECF teil, während sich die USA, Kanada, Norwegen, Großbritannien und die Niederlande nicht am neuen Gas-Kartell beteiligen. Norwegen hat allerdings GECF-Beobachterstatus.
Die Anteil der GECF an der weltweiten Förderung beträgt 41,8 %. Laut russischem Gasmonopolisten Gazprom seien trotz eines Marktanteils in ähnlicher Höhe wie bei der OPEC (43,2 %) Preisabsprachen nicht beabsichtigt und angeblich auch technisch nicht möglich, da der Gas-Export stark an den Transport durch Pipelines und an langfristige Lieferverträge sowie den Ölpreis gebunden sei
[33]. Entgegen dieser Einschätzung könnte dem neuen Kartell bei wachsender Konkurrenz um ein tendenziell knapper werdendes Angebot und gleichzeitig steigender Nachfrage mittelfristig allerdings eine starke Preismacht zuwachsen.
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Resümee:
Neben der oben skizzierten unsicheren Versorgungslage (drohende Lücke zwischen Nachfrage und Angebot, hohe Importabhängigkeit, instabile Förderländer, Konflikte um knapper werdende Gasreserven) ist der Klimaschutz ein weiterer Grund, durch eine stark erhöhte Energieeffizienz (Wärmedämmung, Kraftwärmekopplung) Erdgas einzusparen und das bisherige starke Wachstum des Gasverbrauchs wirksam abzubremsen
[34]. Da Erdgas bei der Stromerzeugung eine deutlich bessere Treibhausgas-Bilanz als Kohle hat
[35], ist allerdings damit zu rechnen, dass Erdgas in einer Übergangszeit verstärkt in Kraftwerken zur Stromerzeugung eingesetzt wird, um Atom- und Kohlestrom zu reduzieren. Mittelfristig muss allerdings im Zuge einer umfassenden Energiewende auch der Erdgasverbrauch wegen seiner Treibhausgas-Emissionen und der wachsenden Konkurrenz um die verbleibenden Erdgasreserven immer mehr reduziert werden
[36]. |
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