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  Nordkorea-Konflikt Dossier

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Hintergrund

Atomtest
Atomtestgelände in Nordkorea zur Großansicht

 
Der seit dem Ende des Koreakrieges 1953 schwelende Nordkorea-Konflikt eskalierte, nachdem Nordkorea entgegen internationalen Protesten am 9.10.06 eine Atombombe testete. Erstmals hat damit ein Staat, der früher den Atomwaffensperrvertrag (NPT) unterzeichnet hatte, diesen gekündigt und dann Atombomben gebaut. Viele Experten befürchteten in der Folge eine nukleare Aufrüstung in Ostasien (Südkorea, Japan, Australien) und darüber hinaus in Nahost (Iran, Saudi-Arabien, Türkei) und Nordafrika (Ägypten, Algerien) [*1] . In Japan z.B. begann eine Diskussion darüber, ob eine eigene Atombewaffnung angebracht sei [3]. Viele Experten befürchteten daher das Quasi-Ende des Atomwaffensperrvertrags  und eine wachsende Verbreitung von Atomwaffen.
Der UN-Sicherheitsrat verabschiedete am 14.10.06 einstimmig die Resolution 1718, die den Atomtest scharf verurteilte und Nordkorea mit Sanktionen (Handels-/ Reisebeschränkungen; Einfrieren von Konten) belegte. Nordkorea bezeichnete diese Resolution als "Kriegserklärung".
  
Trotz des zunächst drohenden Scheiterns verliefen die Sechs-Parteien-Gespräche am Ende erfolgreich und führten am 13.02.07 zu einem neuen Abkommen, in dem sich Nordkorea bereit erklärt, sein Atomprogramm schrittweise zu beenden. Auch die weiteren diplomatischen Bemühungen verliefen zunächst insgesamt erfolgreich. Erstmals im Verlauf dieses Konflikts schien sich eine friedliche Lösung anzubahnen.
   
Leider wurde diese positive Perspektive durch den Test einer weiteren Atombombe (25.05.09) enttäuscht. Die Anrainerländer, vor allem Südkorea und Japan, aber auch die gesamte Weltöffentlichkeit zeigten sich tief besorgt über diese neuerliche Eskalation des Konflikts durch das Regime um den Diktator Kim Jong IL. Der UN-Sicherheitsrat reagierte ungewöhnlich schnell und einmütig: noch am gleichen Tag verurteilte der Sicherheitsrat Nordkorea einstimmig. Tags darauf (26.5.09) brüskierte Nordkorea noch einmal die Welt durch den Test von Kurzstreckenraketen. Nordkorea verletzte damit die Resolution 1718 vom 14.10.06 in allen wesentlichen Teilaspekten. Damit scheint der Nordkorea-Konflikt trotz einer fundamental gewandelten Korea-Politik seitens des US-Präsidenten Obama, die auf Gespräche und Verhandlungen setzt, eine noch höhere Eskalationsstufe erreicht zu haben.
 
  
Im folgenden einige Informationen zum besseren Verständnis des Korea-Konflikts.
Stand: November 2008.
Die Hintergründe für die neuerliche Eskalation im Verlaufe des Jahres 2009, besonders nach dem 2. Atombombentest am 25.05.09, wurde bisher noch nicht eingearbeitet. Einen fundierten aktuellen Hintergrund bietet z.B. der Artikel:
Matthias Nass: Die feudale Atommacht.[ZEIT 24/04.06.09]
  
China
Obwohl China über den Atomtest seiner "Bruder-Nation" Nordkorea sehr verärgert ist und deshalb auch im Sicherheitsrat für die Resolution 1718 stimmte, will es sich als ehemaliger Verbündeter Nordkoreas nicht an der Kontrolle der Einhaltung der Sanktionen beteiligen. Auch die umfangreichen Lieferungen von Energie und Nahrungsmitteln [*2] an Norkorea sollen nicht eingestellt werden. China fürchtet nämlich ein Zusammenbrechen Nordkoreas und in der Folge gewaltige Flüchtlingsströme aus dem jetzt schon bitterarmen Land, in dem breite Bevölkerungsschichten hungern müssen [4]. (-> Geschichte )
  
Südkoreas
"Sonnenschein-Politik"
Aus dem gleichen Grund will auch Südkorea seine "Sonnenschein-Politik" [*3] gegenüber Nordkorea fortführen: sie zielt darauf, das Leiden der Bevölkerung zu mildern und über die Förderung von Projekten den Norden zu entwickeln, damit im Falle einer späteren Wiedervereinigung die Belastungen für den Süden und der Anpassungsschock für den Norden bewältigbar bleiben. Aufgrund der extremen Rückständigkeit Nordkoreas befürchtet Südkorea nämlich im Falle einer Wiedervereinigung weitaus größere Belastungen als sie in Deutschland nach 1989 zu verkraften waren. Eine Wiedervereinigung zum jetzigen Zeitpunkt würde vermutlich zum Kollaps Gesamtkoreas führen.
Da China und Südkorea als unmittelbare Nachbarn aus obigen Gründen nicht an einem schnellen Zusammenbruch des Regimes unter dem Diktator Kim Jong IL interessiert sind, könnte sich dieser ermutigt fühlen, seine bisherige Atompolitik fortzuführen. Weitere Atombombentests sind bereits angekündigt worden.
 
USA vs. Nordkorea

Das Regime in Nordkorea fürchtet schon seit Jahrzehnten einen Militärschlag seitens der USA [*4] , erst recht, nachdem US-Präsident George W.Bush Nordkorea 2002 in die "Achse des Bösen" einreihte. Nordkorea verlangt daher Sicherheitsgarantien durch die USA, die jedoch als Vorbedingung für Verhandlungen bisher auf dem "kompletten, verifizierbaren und irreversiblen"[5] Stopp des nordkoreanischen Atom- und Raktetenprogramms bestanden. Dazu war und ist aber wiederum Nordkorea nicht bereit: das Regime unter dem Diktator Kim Jong IL hält den Besitz von Atomwaffen und die Androhung ihres Einsatzes zwecks Abschreckung feindlicher Angriffe für die einzig wirksame Methode des Selbsterhalts.
  

drohende Eskalation
Damit droht der Atomstreit weiter zu eskalieren mit einem hohen Gefahrenspotenzial für Ostasien und darüber hinaus. Sollte Nordkorea sein Atom- und Raketenprogramm weiterführen, werden sich die unmittelbar betroffenen Länder Südkorea, Japan und vermutlich auch Australien atomar bewaffnen. Bei Ländern wie Iran, Saudi-Arabien und Ägypten könnte sich durch die unterschiedliche Entwicklung in Nordkorea und im Irak der Eindruck verstärken, dass nur der Besitz von Atomwaffen gegnerische Angriffe wirksam abschrecken kann. Während nämlich die USA das Regime des Diktators Saddam Hussein mit dem Irakkrieg beseitigten, wurde Nordkorea bisher nicht angegriffen, weil es über Atomwaffen besitzt, so die verbreitete Einschätzung der US-Politik.
  
drohende Massenvernichtung
und weiträumige Verseuchung
Mit ihrer Verbreitung wächst jedoch die Gefahr, dass Atombomben tatsächlich auch zum Einsatz kommen, sei es in Folge von technischen Pannen oder durch das Versagen der Abschreckungsstrategie. Auch wenn diese funktioniert, verbreiten sich über den Schwarzmarkt atomaren Anlagen und Substanzen, wie in der Vergangenheit besonders die Beispiele Pakistan und Nordkorea zeigen. Damit wächst aber auch die Gefahr, dass atomare Anlagen und Stoffe (Uran, Plutonium) in falsche Hände geraten. Terroristen könnten z.B. mit "schmutzigen Bomben" in Großstädten Vernichtung und Verseuchung in kaum vorstellbaren Ausmaß verursachen.
  
Bezug zur
Agenda 21
Eine Verbreitung von Atomwaffen und eine atomare Aufrüstung ist genau das Gegenteil einer nachhaltigen Entwicklung im Sinne der Agenda 21. Die Strategie atomarer Abschreckung ist verbunden mit der Gefahr, dass sie versagt. Sie bewirkt damit eine fundamentale Gefährdung von Mensch und Natur, die völlig unvereinbar ist mit den Zielen der Agenda 21. Eine atomare Aufrüstung verschlingt aber auch enorme Kosten und Ressourcen, die dann für eine nachhaltige Entwicklung fehlen, wie das Beispiel Nordkorea schon jetzt zeigt. Alle zentralen Aspekte der Agenda 21, z.B. der Kampf gegen Hunger und Armut und die weiteren Millenniumsziele, drohen ins Abseits zu geraten, sollte in Folge einer weiteren Eskalation des Atomstreits mit Nordkorea oder Iran eine weltweite Aufrüstung beginnen. Fast alle Staaten, auch die reichen Industrienationen, sind mehr oder weniger stark verschuldet. Weitere Aufrüstung würde z.B. Mittel aus der Entwicklungshilfe und aus einer vorsorgenden Klimaschutzpoltitik abziehen, die für eine nachhaltige Entwicklung unverzichtbar sind.

 
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Nachrichten/ARD-Videotext: Überblick

Zur schnellen Information über den Ablauf der Ereignisse eignen sich die "kurz und bündig" formulierten chronologisch geordneten Nachrichten des ARD- Videotextes. Neben Einzelseiten zu aktuellen Ereignissen bietet ARD-Text auch Mehrfachseiten mit Hintergrund-Informationen an, die insgesamt eine gute Informationsbasis bereitstellen.
Jahrgang:   2003  2004  2005  2006  2007  2008   
  

Presse-/ Online-Medien
Datenbank
Die Entwicklung des Konflikts um das Atomprogramm Nordkoreas kann im Pressearchiv recherchiert werden.   Suchwörter "Nordkorea Atom":
Jahrgang:    2003   2004  2005  2006  2007  2008  2009
  
   
zum SeitenanfangChronik seit 1985 mit Schwerpunkt ab dem 9.10.2006

 

1985 Nordkorea unterzeichnet aufgrund von internationalem Druck den Atomwaffensperrvertrag (NPT)
1992 Nordkorea unterzeichnet das Zusatzprotokoll zum NPT, das erweiterte Inspektionen zulässt.
21.10.94 In einem Vertrag mit den USA verpflichtet sich Nordkorea, sein Waffenprogramm zu stoppen und den Atomwaffensperrvertrag zu beachten. Als Gegenleistung liefern die USA Erdöl und erstellen in Zusammenarbeit mit einem internationalem Konsortium zwei Leichtwasserreaktoren für die Stromproduktion.
11.01.02   Nach den Terroranschlägen vom 11.09.2001 reiht US-Präsident George W. Bush im Zuge des "War on Terrorism" Nordkorea in die "Achse des Bösen" ein und storniert den Vertrag von 1994.
2002 Der US-Sondergesandte James Kelly legt Beweise vor, dass Nordkorea ein geheimes Programm zur Urananreicherung betreibt. Nordkorea weist daraufhin die Atominspektoren der IAEO aus.
10.01.03 Nordkorea tritt aus dem Atomwaffensperrvertrag aus.
Die Sechs-Parteien-Gespräche (Nordkorea, USA, Südkorea, Japan, Russland, China) beginnen.
10.02.05 Nordkorea erklärt, Atomwaffen zur Verteidigung gebaut zu haben. Das Klima bei den Sechs-Parteien-Gesprächen verhärtet sich in der Folge.
19.09.05 Nordkorea erklärt sich unter Bedingungen zur Einstellung des Atomprogramms bereit
20.09.05 Nordkorea verlangt die Lieferung eines Leichtwasserreaktors. Die USA und Japan lehnen dies ab. In der Folge verhärten sich die Fronten wieder. Nachdem die US-Regierung zur Einschätzung gelangt, dass Nordkorea seine Zusage vom 19.09.05 nicht einhält, verhängt sie Finanz-Sanktionen gegen Nordkorea, was daraufhin die Sechs-Parteien-Gesprächen beendet.
05.07.06 Pjöngjang testet Raketen, darunter auch die Taepodong-2, die mit Atomsprengköpfen bestückt werden und Alaska erreichen kann.
Der UN-Sicherheitsrat beschließt Sanktionen.

09.10.06 Nordkorea führt nach eigenen Angaben erfolgreich einen Atombombentest durch.
14.10.06 Der UN-Sicherheitsrat verabschiedet einstimmig die Resolution 1718, die wegen des Atomwaffentests vom 9.10.06 Strafmaßnahmen gegen die kommunistische Führung in Pjöngjang vorsieht.
17.10.06 Nordkorea bezeichnet die Resolution 1718 als "Kriegserklärung".
01.11.06 Nordkorea erklärt seine Bereitschaft, die Sechs-Parteien-Gespräche  wieder aufleben zu lassen, falls dabei auch über die bisherigen US-Finanz-Sanktionen verhandelt wird. Die Sechs-Parteien-Gespräche waren von Nordkorea im Herbst 2005 in Reaktion auf die US-Sanktionen beendet worden. International wird die neue Verhandlungsbereitschaft Nordkoreas begrüßt. Die Sanktionen gemäß Resolution 1718  gelten aber zunächst weiter.
05.11.06 Nordkorea fordert erneut den Ausschluss Japans von den Sechs-Parteien-Gesprächen 
[taz 6.11.06]
18.12.06 Bei der Wiederaufnahme der seit mehr als einem Jahr eingefrorenen Sechs-Parteien-Gespräche am 18.12.06 in Peking warnte Nordkoreas Unterhändler Kim Kye Gwan, sein Land werde sein Abschreckungspotenzial noch ausbauen, falls die laufenden Sanktionen nicht beendet würden.
13.02.07 Die Sechs-Parteien-Gespräche verlaufen am Ende erfolgreich und führen zu einem neuen Abkommen, in dem Nordkorea die schrittweise Einstellung seines Atomprogramms zusichert, z.B. die Schließung des Atomreaktors in Yongbyon sowie weiterer Anlagen. Im Gegenzug erhält Nordkorea umfangreiche Energielieferungen. Neben Freude über die unerwartete Einigung im Atomstreit äußern viele Beobacher Skepsis, ob Nordkorea seine Zusagen einhalten wird, und erinnern an den Verlauf nach dem 19.09.05. Kritisiert wird auch, dass Nordkoreas "Pokerpolitik" durch das Nachgeben der USA belohnt worden sei und Länder wie Iran sich bestärkt fühlen könnten, ähnlich zu verfahren.    [DLF-Presseschau 14.2.07 Inland, Ausland, ]  [taz 14.3.07]
14.07.07 Nordkorea schaltet nach US-Angaben den Atomreaktor in Yongbyon wie vereinbart ab. Der Chef der IAEO, El Baradei, bestätigt die Nachricht am nächsten Tag.
18.07.07 Nach Angaben der IAEO hat Nordkorea inzwischen 5 Atom-Anlagen geschlossen.
02.09.07 US-Unterhändler Hill teilt nach Gesprächen in Genf mit, Delegierte aus Nordkorea hätten versprochen, dass Nuklearprogramm werde vollständig offengelegt. Im Gegenzug solle Nordkorea weitreichende Hilfen erhalten und die bisher eingefrorenen Gelder würden wieder freigegeben.
02.10.07 Der nordkoreanische Staatschef Kim Jong Il empfängt seinen südkoreanischen Kollegen Roh Moo Hyun zum 2. Gipfeltreffen der Nachbarländer. Zuvor hatte Roh als erstes Staatsoberhaupt Südkoreas zu Fuß die Grenze nach Nordkorea überquert. 
03.10.07 Nordkorea verspricht den vollständigen Abbau seiner umstrittenen Atomanlage in Yongbyon bis Ende 2007. Zur Vorbereitung sollen Experten unter der Leitung der USA innerhalb der nächsten zwei Wochen nach Pjöngjang reisen, so die Erklärung der Teilnehmer der Sechs-Parteien-Gespräche.   
04.10.07 Der nordkoreanische Staatschef Kim Yong Il und der südkoreanische Präsident Roh Moo Hyun vereinbaren zum Abschluss ihres dreitägigen Treffens, bald Friedensgespräche unter Beteiligung der USA und Chinas aufzunehmen. Zwischen Nord- und Südkorea besteht seit Ende des Koreakriegs 1953 formal nur ein Waffenstillstand.
28.10.07 Die USA und Russland fordern alle Staaten auf, dem INF-Vertrag zur Zerstörung von atomaren Mittelstreckenraketen beizutreten. Im INF-Vertrag hatten sich 1987 die damalige Sowjetunion und die USA zur vollständigen Abrüstung von fast 2700 Raketen mit Reichweiten von 500 - 5500 km verpflichtet. Mittlerweile besitzen auch Nordkorea, Indien, Pakistan und Israel solche Raketen, ohne dem INF-Vertrag beigetreten zu sein.
19./.22.09.08 Nordkorea kündigt am 19.9. an, Tests im umstrittenen Reaktor in Jongbjon durchzuführen. Am 22.9. fordert Nordkorea die IAEO auf, Siegel und Überwachungskameras an Atomanlagen zu entfernen. [Tagessschau 22.9.08]
1.-14.10.08 Nordkorea verbietet am 1.10. Inspektoren der IAEO die Kontrolle von Atomanlagen und kündigt an, atomare Anlagen wieder in Betrieb zu mehmen. Nach Verhandlungen im Hintergrund werden diese Maßnahmen abgesagt, nachdem die USA sich am 11.10. bereit erklärt, Nordkorea von der schwarzen Liste der sog. Terrorstaaten zu nehmen. Die atomare Abrüstung soll - wie früher vereinbart - fortgesetzt werden. [Tagesschau 11.10.08 [Tagesschau 14.10.08]
05.04.09 Trotz internationaler Warnungen startet Nordkorea eine Langstreckenrakete, angeblich um einen Kommunikationssatelliten in die Umlaufbahn zu bringen. Japan und die USA bezeichnen den Start als Provokation und schalten den UN-Sicherheitsrat ein. Die bisherigen Kurz- und Mittelstrecken-ratketen sind bereits ein wichtiges Exportgut für das stark verarmte Land: Länder wie Syrien, Libyen und Iran wurden bisher beliefert. Experten sehen im Raketenprogramm neben dem Atomprogramm ein weiteres Druckmittel des Regimes unter Diktator Kim Jong IL, um die USA zu direkten bilateralen Verhandlungen zu bewegen. [Tagesschau
  
25.05.09 Nordkorea testet zum 2.Mal eine Atombombe, nach eigenen Angaben erfolgreich. Damit verletzt das Regime um Diktator Kim IL Sung die Resolution 1718 und erhöht die Gefahr einer nuklearen Proliferation und damit einhergehend einer atomaren Aufrüstung weiterer Staaten. Der UN-Sicherheitsrat verurteilt Nordkorea noch am gleichen Tag einstimmig. Nordkorea verstärkt den Konflikt noch weiter durch den Test von Kurzstreckenraketen am nächsten Tag.
[Tagesschau] [DLF-Broska] [DLF-Maull] [Tagesschau]
  
   
zum SeitenanfangGeschichte seit dem 2.Weltkrieg
   
  Die tieferen Ursachen für den Atomstreit mit Nordkorea gründen in der Entwicklung seit Ende des 2. Weltkriegs. Die Niederlage Japans (Atombomben auf Hiroshima 6.8.1945 und Nagasaki (9.8.1945)) beendete seine seit 1910 dauernde Herrschaft über Korea. Obwohl Koreas staatliche Unabhängigkeit in den Konferenzen von Kairo (1943) und Jalta (1945) sowie im Potsdamer Abkommen (1945) garantiert wurde, besetzten am 8.8.1945 sowjetische bzw. US-Truppen den Norden bzw. Süden Koreas und legten den 38. Breitenkreis als Demarkationslinie fest.
Im Norden etablierte die kommunistische Partei unter sowjetischem Schutz eine kommunistische Ordnung, die von Anfang durch den Führungskult um den Diktator Kim IL Sung geprägt war und nach seinem Tode 1994 vom Sohn Kim Jung IL fortgesetzt wurde. Im Süden führten die USA eine Militärdiktatur ein. Nachdem sich die Besatzungsmächte Sowjetunion und USA 1948 aus Korea zurückzogen, brach infolge nationaler und internationaler Spannungen (Kalter Krieg) 1950 der Koreakrieg aus. Nach dem Waffenstillstand 1953 wurden die Verbindungen zwischen Nord- und Südkorea völlig abgebrochen. Die Demarkationslinie am 38. Breitenkreis entwickelte sich zu einer der am schärfsten bewachten Grenzen weltweit, nur vergleichbar mit der innerdeutschen Grenze nach dem Mauerbau von 1961 bis 1989. Während sich Südkorea allmählich in Richtung Demokratie und zu einem der asiatischen "Tigerstaaten" mit hohen Wachstumsraten und wachsendem Wohlstand auch für breitere Bevölkerungskreise entwickelte, verharrte der Norden in einer rückständigen stalinistischen Parteidiktatur. In den 1990er Jahren sollen bis zu 2,5 Millionen Menschen verhungert sein, rund 10 % der Gesamtbevölkerung. Nach Schätzungen der FAO sind heute von insgesamt 23 Millionen Menschen rund 35 % chronisch unterernährt, bei Kindern beträgt die Rate sogar 37 %.
Ohne laufende umfangreiche Hilfen aus China und Südkorea würde Nordkorea zusammenbrechen. Trotz darbender und z.T. verhungernder Bevölkerung setzte das Regime immer mehr auf Militarisierung und atomare Bewaffnung, um gefürchtete Angriffe der USA abzuschrecken und seine Herrschaft zu sichern.
  
   
zum SeitenanfangDaten/ Statistiken/ Infografiken

 
AFP20061016-DE01
Infografik: Atomanlagen in Nordkorea
Infografik: Atomanlagen in Nordkorea
In der Landkarte Nordkoreas sind die Standorte von Atomreaktoren und sonstigen Atomanlagen (u.a. Urananreicherungsanlagen) über Symbole markiert und ihr Status kurz beschrieben:
Atomreaktoren: Pöngjang (in Betrieb), Yongbyon (z.T. abgeschaltet);
     Taechon (Bau unterbrochen); Sinpo (noch nicht fertiggestellt)
Nuklearanlagen: Pakchon, Yongbyon, Sunchon, Pjöngsan

Quelle: Global Security   
Grafik online nicht verfügbar, abgedruckt in: taz, 16.10.06, S.2
   
AFP20061008-DE01
Infografik : Nordkoreas Raketenarsenal
Im oberen Teil der Grafik zeigen konzentrische Kreise mit Mittelpunkt Nordkorea die Reichweiten der verschiedenen Raketentypen, die in der Tabelle darunter gelistet sind.

  
Reichweite
Nutzlast
Status
Scud-B
300 km
1000 kg
einsatzbereit
Scud-C
500 km
770 kg
einsatzbereit
Rodong-1
1300 km
1000 kg
einsatzbereit
Taepodong-1
2500 km
1000 kg
Probebetrieb
Taepodong-2
6700 km
1000 kg
Entwicklung
 
Die Taepodong-2 reicht bis nach Alaska. Eine Langstreckenversion mit 10000 km ist geplant.

Quellen:
FAS, Global Security 
Grafik online nicht verfügbar, abgedruckt in: taz, 10.10.06, S.2
  
AFP 20061018-DE01
Atomtestgelände in Nordkorea
Großansicht
[WAZ]
Infografik: Atomtestgelände in Nordkorea
Das Atomtestgelände wird im Bezirk Kilju im Norden des Landes in der Nähe der Stadt Chikdong vermutet. Dort befindet sich ein Gebäudekomplex mit einem Tunnelsystem, das für die unterirdischen Atomwaffentests angelegt wurde. Aufgrund von Satellitenaufnahmen wird der Eingang zum Tunnelsystem im Nordosten vom Gebäudekomplex verortet.
Die eingebettete kleine Landkarte oben links zeigt die Lage Nordkoreas in Ostasien.
Eine Großansicht der Grafik wird von der WAZ im Rahmen ihres Grafik-Service zusammen mit einem Infotext zur aktuellen Lage angeboten.
Quelle: Global Security   GeoEye  
Achtung: Der Infotext steht nur für rund 24 Stunden bis zum 19.10.06 etwa 18:00 Uhr zur Verfügung, da er dann durch einen neuen ausgetauscht wird. Die Grafik ist meist einige Tage bis zu mehreren Wochen online.
 
Infografik: Nordkorea: Atomprogramme und Raketen; Großansicht [FR]
Großansicht [FR]
Infografik: Nordkorea: Atomprogramme und Raketen
Am 10.02.05 erklärte sich Nordkorea offiziell zur Atommacht. Zuvor war das Land im Januar 2003 aus dem Atomwaffensperrvertrag ausgetreten. Bereits im Oktober 2003 hatte ein Diplomat Nordkoreas durchblicken lassen, dass sein Land inzwischen Atomwaffen besitze.
In der Landkarte Nordkoreas sind die Standorte von einem Atomreaktor, 3 Forschungs-anlagen und 5 Uranminen durch farbige Symbole markiert.
Im unteren Teil wird Nordkoreas Sortiment an taktischen und Mittelstreckenraketen vorgestellt mit Reichweiten von 300 bis 2000 km.
Die Grafik ist eingebettet in den Artikel: " Wo der Tod regiert. Kim Jong Il droht mit der Atombombe, weil er mit dem Rücken zur Wand steht"
[FR, 11.02.05, online bis 24.2.05]
 
=> Themen:   Atomwaffen     Daten/Infografiken
  
  

Infografik: Schwefelabgase durch Schiffe / Großanischt in: DIE ZEIT Nr.35/24.8.06, S.28
Großansicht [ZEIT 42/06]

=> Atomwaffen

=> Nordkorea   Iran 

Infografik: Wer setzt auf Atomwaffen?
In der Weltkarte sind Staaten nach folgenden Kategorien gefärbt:

  Atommächte, die den Atomwaffensperrvertrag (NPT) unterschrieben haben: China, Frankreich, Großbritannien, Russland, USA = P5-Staaten
  Atommächte außerhalb des NPT: Indien, Pakistan, Israel
  Auf dem Weg zur Atommacht: Nordkorea, Iran
  Potenzielle Atommächte: Australien, Japan, Südkorea, Algerien, Ägypten, Saudi-Arabien, Türkei
  Atomwaffenprogramm eingestellt: Argentinien, Brasilien, Libyen, Südafrika
  
   
zum Seitenanfanginterne Links
  
Agenda 21 Lexikon:   Atomwaffensperrvertrag   UN-Sicherheitsrat    IAEO
Spezials:   Atomwaffen   Iran-Konflikt 
Agenda 21 Themen:   Konflikte, Krieg und Frieden
   
zum Seitenanfangexterne Links / weiterführende Informationen
   

Lexikonseite zu Wikipedia
Achtung: Als "freie" Enzyklopädie bietet Wikipedia keine Gewähr für jederzeitige Korrektheit aller Inhalte

Atomprogramm Nordkoreas
Die Wikipedia-Seite bietet ergiebige detailreiche Informationen samt Daten/ Statistiken sowie zahlreiche weiterführende interne und externe Links, darunter folgende weitere Lexikonseiten: 
     Nordkorea   Uran   Urananreicherung  

  
Nordkorea-Dossier bei DW-World.de
Dossier zu Nordkorea: Diktatur mit Atomwaffen
Zahlreiche Online-Beiträge seit Sommer 2005.
Für den Unterricht besonders geeignet sind die u.a. die "Stichwort-Beiträge":
 Stichwort:   Nordkorea   IAEO u. Atomwaffensperrvertrag

Startseite des Dossiers
 

 
  
zum SeitenanfangLiteratur

 
Egmont R.Koch: Tödliche Pläne / Bestellung bei Amazon.de
Online-Bestellung
bei Amazon.de

Egmont R.Koch: Tödliche Pläne - Wie die Atombombe in die falschen Hände gelangte. Aufbau-Verlag 2007, ISBN13: 978-3746681542,  348 S.,  9,95 Euro
Egmont R.Koch - bekannt durch den Bestseller "Seveso ist überall" (1978 mit Fritz Vahrenholt) ist einer der renommiertesten investigativen Autoren in Deutschland. Seit etwa 1985 recherchiert er zur Verbreitung von Atomwaffen und Atomtechnologie, mit dem Fokus auf Iran und Nordkorea, wobei auch die Verbindungen zu deutschen Akteuren und Firmen herausgestellt werden. Fachkundig und zugleich packend analysiert Koch, in wie weit das Wissen und die Technologie zur Produktion von Atomwaffen und "schmutzigen Bomben" schon verbreitet sind und und ob damit gerechnet werden muss, dass sie in die Hände von Terroristen geraten.


=> Iran-Konflikt   Nordkorea-Konflikt   Atomwaffen   
=> Atomwaffensperrvertrag

 

   

zum SeitenanfangUnterrichtsmaterialien

 

// aktuelle Unterrichtsmaterialien zum Nordkorea-Konflikt sind nach unseren Recherchen noch nicht verfügbar. Nach Erscheinen werden sie hier eingestellt.
   
zum Seitenanfangergänzende Hinweise
   
*1.
Atomstaaten
Als mögliche Staaten, die sich in Folge des Nordkorea-Konflikts Atombomben beschaffen könnten, werden Südkorea, Japan, Australien, Iran, Saudi-Arabien und die Türkei genannt.  -> siehe:  Infografik  in [1] 
  
*2. 
Energie/ Nahrung
China liefert 90 % des Erdölbedarf und 50 % der gesamten Nahrungsmittelimporte Nordkoreas.  -> [2]
*3. 
Sonnenscheinpolitik
Lexikon: Sonnenscheinpolitik [Politikerscreen]
*4. 
möglicher
US-Militärschlag
Nachdem Nordkorea im März 1993 angedroht hatte, den Atomwaffensperrvertrag zu kündigen, zog die US-Regrierung unter Bill Clinton einen Militärschlag gegen Nordkorea ernsthaft in Erwägung. 1994 gelang es jedoch, mit Nordkorea ein Abkommen zum Einfrieren des Atom- und Raketenprogramms auszuhandeln. Als Gegenleistung lieferten die USA jährlich 500.000 Tonnen Erdöl und erstellten zusammen mit Südkorea und Japan 2 Leichtwasser-Reaktoren zur Stromproduktion. -> [5]
 
*5
Sechs-Parteien-Gespräche
Die "Sechs-Parteien-Gesprächen" werden so genannt, weil an ihnen 6 Staaten beteiligt sind: Nordkorea, Südkorea, China, Russland, Japan, USA.
Es sind jene Staaten, die seit dem 2. Weltkrieg in den Korea-Konflikt verwickelt sind und heute maßgeblich an einer Lösung des Konflikts interessiert sind.
   
Südkorea versucht mit seiner Sonnenscheinpolitik den Konflikt zu entschärfen und eine allmähliche Entwicklung des Nordens zu fördern, damit eine künftige Wiedervereinigung nicht zum Zusammenbruch Gesamtkoreas führt.
  
China unterstützt Nordkorea auf vielfältige Weise, einerseits als "Brudernation" seit dem 2.Weltkrieg, andererseits aber auch aus ähnlichen Gründen wie Südkorea: Ein Zusammenbruch Nordkoreas würde gewaltige Flüchtlingsströme nach China auslösen und das Land stark belasten. Auch bildet Nordkorea seit den 50-er Jahren einen Puffer gegen die Einflusssphäre des ehemaligen Feindes USA, an dessen Aufrechterhaltung China - wie auch Russland - nach wie vor interessiert zu sein scheint. Dabei spielt möglicherweise auch die sich abzeichnende wachsende Konkurrenz um Ressourcen der beiden am meisten Rohstoffe verbrauchenden Staaten weltweit eine wachsende Rolle.
  
Japan fühlt sich als ehemalige Besatzungsmacht Gesamtkoreas durch das Atom- und Raketenprogramm Nordkoreas bedroht und ist daher stark daran interessiert, dass diese reduziert und möglichst eingestellt werden. Inzwischen mehren sich die Stimmen in Japan, die eigene Atomwaffen fordern, weil der zugesagte Schutz seitens der USA, der auch Südkorea umfasst, im Kriegsfall versagen könnte. [3]
  
Die USA sind seit der Teilung Koreas die Schutzmacht Südkoreas und später auch Japans. Sie halten die Diktatur in Nordkorea für grundsätzlich gefährlich und haben daher in der Vergangenheit versucht, Nordkorea mit einer Politik von "Zuckerbrot und Peitsche" zu schwächen oder doch zumindest einzudämmen, vor allem aber zu verhindern, dass Nordkorea zur Atommacht wird mit unabsehbaren Folgen für Ostasien und darüber hinaus.
  
Russland unterstützte in den Zeiten des Kalten Kriegs Nordkorea, nicht zuletzt als eine Art Puffer zur Einflusssphäre der ehemals feindlichen Supermacht USA. Auch nach Entschärfung des Ost-West-Konflikts wirkt dieses Motiv wohl weiter, den Russland scheint ebenso wie China nicht an einer Beseitigung der Diktatur in Nordkorea und an einer Wiedervereinigung Koreas iinteressiert zu sein.
   
zum SeitenanfangQuellenangaben
   
[1] Gero von Randow: Beginn der Kettenreaktion. Nordkorea könnte erst der Anfang sein, wenn die Großmächte nicht endlich ernst machen mit der atomaren Abrüstung,
in: DIE ZEIT 42/12.10.2006, S.12/13
 
 
[2] Theo Sommer: Bruder ratlos."Wir Koreaner sind doch alle Meister im Vorgaukeln." Warum so viele Südkoreaner nicht glauben können, dass ihr Nachbar im Norden eine Atomwaffe getestet hat,   
in: DIE ZEIT Nr.43/ 19.10.2006, S.11
  
[3] Florian Coulmas: Die virtuelle Atommacht. Japan fühlt sich von Nordkoreas nuklearer Rüstung bedroht. Die politische Elite überlegt, ob man nicht selbst die Bombe braucht,
in: DIE ZEIT Nr.44/ 26.10.2006, S.13
(der lesenswerte Artikel wurde bisher leider nicht online gestellt)
  
[4] Georg Blume: "Wir sterben sowieso". Im chinesischen Grenzgebiet verstecken sich zehntausende Flüchtlinge aus Nordkorea. Einige riskieren den Kontakt mit ausländischen Journalisten, um die Welt vor einem Atomkrieg zu warnen.
in: DIE ZEIT Nr.44/ 26.10.2006, S.12
(der lesenswerte Artikel wurde bisher leider nicht online gestellt)
   
[5] Herbert Wulf: Poker um Nordkoreas Atomprogramm,
in: NonproliferationAPuZ Nr.48 v.28.11.2005, bpb  
   
[6] (stu): Nordkorea lenkt eindw-world.de, 01.11.06
   

Stand: 11.10.08/zgh =>   Konflikte, Krieg und Frieden   Atomwaffen
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