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 7. April 2004

Völkermord in Ruanda: 10. Jahrestag

zur Themenübersicht Übersicht: Internationaler Tag der Umwelt


7. April 1994
Landkarte Ruanda / DIE ZEIT Nr.1/ 2004
Großansicht [ZEIT 01/04]

Hintergrundbericht:
Der Rest ist Verdrängen
[ZEIT, 15/1.4.04, S.12]
Daten zu Ruanda, Geschichte,
Hintergrund des Konflikts

[epd]
Vor 10 Jahren eskalierte der Konflikt zwischen der Tutsi-Minderheit (15%) und Hutu-Mehrheit (85%) in Ruanda zum größten Genozid nach dem 2.Weltkrieg.
Auslöser für den Völkermord war der Abschuss des Präsidenten-Jets beim Anflug auf den Flughafen der Hauptstadt Kigali am 6.4.1994. Alle Passagiere wurden getötet, darunter auch der Präsident Ruandas, Juvénal Habyarimana, ein Hutu.
Die Verantwortlichen für dieses Attentat konnten bis heute nicht sicher ermittelt werden. Vieles spricht dafür, dass nicht Tutsies - wie oft behauptet - sondern die Hutu-Militärführung das Attentat auf den Präsidenten verübte, um sich selbst an die Macht zu putschen und dann freie Bahn zu haben für den seit langem geplanten Genozid an den Tutsis. [=> "Pariser Schlacht um Ruandas Genozid", taz, 16.3.04]
Die schon seit Jahren durch Extremisten aufgehetzten Hutus entfesselten dann ab dem 7.4.1994 einen Völkermord, der an Grausamkeit, Geschwindigkeit und Umfang beispiellos ist in der Geschichte. Innerhalb von nur 100 Tagen ermordeten Hutu-Milizen und Helfershelfer ca. 800.000 bis 1 Million Tutsi und oppositionelle Angehörige der eigenen Volksgruppe.
Hunderttausende Tutsis waren bereits in der Vergangenheit vor den wiederholten Pogromen ins Ausland geflohen und hatten dort die RPF (Ruandische Patriotische Front) formiert. Der RPF gelang es, im Juli 1994 den Hutu-Terror zu beenden. Ihr Anführer Paul Kagame wurde Vizepräsident und dann Präsident Ruandas.
  
Infobox:
DER VÖLKERMORD

[taz, 7.4.04]

Infotext:

Kein Völkermord - offiziell
[ZEIT 15/1.4.04,S.12]

Bericht:

Die Welt sah einfach zu
[taz, 7.4.04]

Hintergrund:
Der Weg zum Völkermord.
[epd]


Washington wusste Bescheid und schaute weg
[Freitag]
Bereits am 11.1.1994 hatte General Roméo Dallaire, Kommandeur der UN-Blauhelme in Ruanda, in einem Telegramm an die UN in New York eindringlich vor dem geplanten Völkermord gewarnt und Hilfe angefordert. Doch die zuständige Abteilung für Friedensmissionen, damals geleitet von Kofi Annan, heute UN-Generalsekretär, verweigerte die notwendige Intervention. Annan empfahl stattdessen den Abzug der Truppen bis auf 270 Mann.
Die UN lehnten damals den Begriff "Völkermord" ab, weil sie sonst gemäß Völkermordskonvention von 1948 hätten militärisch intervenieren müssen.
Annan
hat sich inzwischen für dieses Versagen der UN entschuldigt.
Auch die ehemaligen Kolonialmächte Deutschland, Belgien, allen voran Frankreich, das die Hutu-Milizen ausgebildet hatte, griffen nicht ein. Für die einzig verbliebene Supermacht USA war Ruanda offensichtlich nicht wichtig genung, um aktiv zu werden. Die Clinton-Regierung missachtete Warnungen ihrer Afrika-Experten und unterstützte den Abzug der UN-Einheiten aus Ruanda.
  
Die internationale Gemeinschaft hat Schuld auf sich geladen  [epd]


  
Durch die Berichterstattung zum 10. Jahrestages des Genozides in Ruanda sind die damals begangenen Greueltaten noch einmal bewusst geworden. Zehn Jahre nach dem Völkermord stellt sich wieder die drängende Frage, warum weder die UN noch Frankreich noch andere Staaten intervenierten, um das unvorstellbar grausame Gemetzel und Abschlachten von mindestens 800.000 Menschen zu stoppen.
Roméo Dallaire
(ehemaliger Generalleutnant der kanadischen Armee, befehligte 1993/ 94 die UN-Blauhelme in Ruanda. Während des Genozids forderte er vergeblich eine starke UN-Eingreiftruppe)
ausführlicher Bericht:
Denn sie wussten was sie taten [Stern.de]
Dazu General Roméo Dallaire
"Ruander zählten für die Welt damals einfach nicht. Die internationale Gemeinschaft sortierte ihre Prioritäten nach nationalen Interessen. [...]  
   bei den Entscheidungsprozessen zu Ruanda ergab sich, dass Ruanda handlungsfähigen Ländern nicht wert war, Opfer zu riskieren " [...]  
Die internationale Gemeinschaft hat den fundamentalen Fehler, dass sie nicht in der Lage ist, Eigeninteresse zu überwinden und jeden Menschen als Menschen zu sehen, als genau gleich
"
[zitiert aus: "Jeder Mensch zählt. Kein Mensch auf der Welt ist mehr wert als ein anderer. In Ruanda wurde das vergessen",  in: taz, 7.4.04]
  
Roméo Dallaire

Dallaire: Shake Hands With The Devil


Infos zum Buch (engl.) bei amazon.com (USA)
Anders als viele hochrangige Politiker und Entscheidungsträger empfand Dallaire eine Mitschuld am Völkermord in Ruanda und konnte sich nicht verzeihen, dass es ihm nicht gelungen war, die UN-Verantwortlichen und den Sicherheitsrat in New York von der Notwendigkeit einer bewaffneten Intervention zu überzeugen.
Unter der Last von Verantwortung und Schuld zerbrach er innerlich und versuchte mehrmals sich umzubringen. Durch langjährige Therapie, vor allem aber durch das Schreiben seines Buches und die damit verbundene Verarbeitung der Vergangenheit gelang es ihm, sich psychisch wieder zu stabilisieren.

Romeo Dallaire: Shake Hands with the Devil: The Failure of Humanity in Rwanda,
Random House; 2003, 584 S.,  ISBN: 0679311718
"Der Selbstankläger. Vor zehn Jahren musste der kanadische UN-General Roméo Dallaire dem Völkermord in Ruanda zusehen. Jetzt spricht er darüber
Rezension von Constanze Stelzenmüller    [ZEIT 22.12.03, S.06]
"Das Buch Dallairs (Shake Hands with the Devil) ist eine quälend intensive Schilderung des Völkermordes in Ruanda 1994. Und eine vernichtende Anklage all jener, die hätten handeln können und es nicht taten. 800.000 Menschen, fast alle vom Stamm der Tutsi, wurden in Ruanda ermordet. Es ist, nach dem Holocaust und Stalins Völkermord an den Armeniern, einer der größten Genozide des 20. Jahrhunderts."
Der Verlag 2001 hat die Rechte erworben und wird das Buch im Herbst 2004 in deutscher Übersetzung herausbringen.
  
 TV-Tipp


Vermutlich wird dieser Beitrag in phoenix häufiger wiederholt.

General Dallaire, die Blauhelme und das Massaker von Ruanda. 
Zur Schuld verdammt:       Dokumentarfilm von Steven Silver
Samstag, 3.4.04, 23.15 - 0.25, phoenix, Wdh. Fr. 7.5.04, 23 Uhr, 
WDR 
Es war das schlimmste Massaker seit dem Zweiten Weltkrieg. 1994 wurden in Ruanda 800.000 Menschen auf bestialische Weise mit Macheten und Maschinengewehren niedergemetzelt. Steven Silver rekonstruiert diesen vorhersehbaren Genozid und die Untätigkeit der Vereinten Nationen und ruft damit ein fast schon vergessenes Drama unserer Zeit ins Gedächtnis zurück.
General Romeo Dallaire, Kommandant der UN-Blauhelm-Truppe, äußert sich zu den Geschehnissen, kann seine Mitschuld an dem grausamen Völkermord nicht verwinden.
Der bereits mehrfach preisgekrönte Film mit dem Originaltitel "The Last Just Man" wurde mit dem PHOENIX-Dokumentarfilmpreis 2003 ausgezeichnet.
  
Linda Melvern: "Ruanda. Der Völkermord und die Beteiligung der westlichen Welt". Diederichs/ Heinrich Hugendubel Verlag, Kreuzingen/ München März 2004.
ISBN 3720524868, 384 Seiten, 23,00 €
Buchvorstellung von Rupert Neudeck: "Das Versagen des Westens" [ZEIT 21/04]
Rezension von DOMINIC JOHNSON: Ein Standardwerk: Die britische Journalistin Linda Melvern beschreibt Genese und Durchführung des Völkermords in Ruanda
[taz, 10.4.04]:
"Kristallklar zeichnet Melvern, britische Journalistin mit einer auch in Großbritannien nicht mehr selbstverständlichen Neigung zu Nüchternheit und erzählerischer Präzision, die Genese und Durchführung der strategischen Planung nach, mittels deren Ruandas bis 1994 herrschende Hutu-Elite die Auslöschung der Tutsi-Minderheit in die Wege leitete und zwischen April und Juli 1994 auch umsetzte. [...] Eine These von Melvern ist, dass die westlichen Großmächte - Frankreich, USA, Großbritannien - Bescheid wussten über das, was sich in Ruanda anbahnte, und es hätten verhindern können."
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In seiner Rezension verweist Johnson auch auf das erste Buch von Linda Melvern, das bereits im Jahr 2000 erschien (bisher nur als englische Version).
Linda Melvern: A Peaple Betrayed. / Bestellung bei Amazon.com Linda Melvern: "A People Betrayed: The Role of the West in Rwandas Genocide". Zed Books 2000, ISBN: 185649831X, 288 S., 19,95 US-Dollar
"Zahlreiche Details [...] (z.B. die Rolle Butros Butros-Ghali 1990) [...] werden in Melverns zweitem Buch zwar kurz erwähnt, im ersten allerdings weitaus ausführlicher analysiert. Das Gleiche gilt für die Arbeit des UN-Sicherheitsrates während des Genozids, als der Rat in voller Kenntnis der Massaker beschloss, nicht einzugreifen.
[...] Das jetzt vorgelegte zweite Buch profitiert hingegen davon, dass Linda Melvern die neuesten Gerichtsprotokolle und auch einige vertrauliche Unterlagen des UN-Tribunals zu Ruanda auswerten konnte, um die Geschichte des Völkermords in wichtigen Einzelheiten aus Sicht der Täter zu vervollständigen."

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Links

7. April 1994/ 2004
10. Jahrestag des
Genozids in Ruanda

Deutsche Welthungerhilfe

10 Jahre Ruanda-Genozid

Den 10. Jahrestag des Genozids, den 7.4.2004, haben die Vereinten zum internationalen Tag des Nachdenkens über den Völkermord in Ruanda erklärt. Und es gibt einiges zum Nachdenken, für die internationale Politik, das Militär und auch die Hilfsorganisationen.
Die Welthungerhilfe hat aus Anlass des Jahrestages ein Ruanda-Dossier zusammengestellt mit u.a. folgenden Inhalten:
Hintergrund des Konflikts   Länderprofil Ruanda   Zeittafel der Geschichte Ruandas
Linksammlung
  
evangelischer Pressedienst
(epd)
epd-Themenpaket zum Völkermord in Ruanda vor zehn Jahren
Extra-Website zum Genozid in Ruanda mit u.a. folgenden Inhalten:
Basisdaten zu Ruanda: Geografie, Bevölkerung, Wirtschaft, Geschichte, Zeittafel;
Hintergrund des Konfliktes zwischen der Tutsie-Minderheit und der Hutu-Mehrheit;
Suche nach Gerechtigkeit: "Gacaca"-Gerichte; UN-Tribunal
Schuld der internationalen Gemeinschaft:

Einige der Texte sind in gekürzter Länge verfügbar, Basisdienst-Kunden haben Zugriff auf alle Texte in Originallänge.

  
Bundesregierung
Auswärtiges Amt
Rede von Kerstin Müller, Staatsministerin im Auswärtigen Amt, bei der Gedenkveranstaltung zum 10. Jahrestag, Berlin, 07.04.2004
Volltext der Rede  [Auswärtiges Amt]
  
Ruand-Ausstellung/ Brot für die Welt Brot für die WeltGenozid in Ruanda 1994: Fotoausstellung in Berlin eröffnet
In Berlin ist die Fotoausstellung ''Ruanda – Zurück ins Leben. Zehn Jahre nach dem Völkermord'' eröffnet worden. Die Fotos von Thomas Lohnes zeigen die Wunden des Genozids, aber auch die Bestrebungen, das Unrecht aufzuarbeiten und Versöhnung voranzutreiben. Die Ausstellung ist bis Ende August 2004 im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Stresemannstr. 94 in Berlin zu sehen.

Eine Auswahl der Fotos bietet "Brot für die Welt" im Internet an unter:
www.brot-fuer-die-welt.de/ruanda_ausstellung
Download der Fotoausstellung [pdf/ 4,53 MB/ 40 S.]

 
Presseartikel

Dossier




07.05.04, S.3-7



Die tageszeitung bietet umfangreiche und vielfältige Inforamtionen zum Völkermord in Ruanda in einem 5-teiligen Dossier mit folgenden Schwerpunktthemen:

  1. WAS VOR ZEHN JAHREN GESCHAH
  2. DIE UMSTRITTENE ROLLE DES AUSLANDS
  3. DER SCHWERE WEG ZUR VERSÖHNUNG
  4. DIE AUFARBEITUNG DER VERGANGENHEIT
  5. DIE LEHREN AUS DER GESCHICHTE

Die zahlreichen Artikel haben wir in einer Übersicht im Pressearchiv zusammengestellt, von der aus die Volltexte im taz-Archiv online abgerufen werden können.
  

Presseartikel Extra-Sammlung:   Presseartikel zum Genozid in Ruanda
 

Stand: 14.07.04/zgh

Themen: Konflikte, Krieg & Frieden  

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