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Nachrichten
Hauptvorwürfe des Powell-Berichts
   05.02.03 
05.02.03
S.120

ARD-Text

 
Powell präsentiert Beweise gegen Irak

US-Außenminister Powell hat dem Irak vor dem Weltsicherheitsrat "schwer wiegende Verstöße" gegen die Auflagen der UNO vorgeworfen.
Powell präsentierte Satellitenaufnahmen, Tonbandmaterial und andere Dokumente, die Vermutungen der USA stützen sollen, der Irak verfüge über Langstreckenraketen, chemische Kampfstoffe sowie mobile Chemielabors. Dem Land stünden 100 bis 500 Tonnen Giftstoffe für Chemiewaffen zur Verfügung, so Powell.
Im Norden des Landes hielten sich ferner Mitglieder der Terror-Organisation Al-Kaida auf, so der US-Außenminister.Einen Beleg dafür blieb er schuldig.
 
 

05.02.03
S.121
 
Powell: UNO muss handeln

US-Außenminister Powell hat die UNO dazu aufgerufen, die in der Irak-Resolution 1441 angedrohten "ernsten Konsequenzen" zu prüfen.
Vor dem Weltsicherheitsrat sagte Powell: "Die UNO wird irrelevant, wenn sie dem Irak erlaubt, die Inspektionen zu unterlaufen." Es gehe nicht um die Frage, wie viel Zeit man den Inspektoren noch geben soll. Der Sicherheitsrat müsse sich vielmehr fragen, wann er sage: "Genug ist genug".
Powells Auftritt gilt als entscheidend dafür, ob die übrige 14 Mitglieder des Sicherheitsrates einen von den USA geforderten Militärschlag unterstützen.
 
 

05.02.03
S.122
 
Sicherheitsrat reagiert verhalten

Die Mitglieder des Weltsicherheitsrates haben verhalten auf die Ausführungen von US-Außenminister Powell reagiert.
Russlands Außenminister Iwanow sagte, die Vorwürfe seien "sehr ernst", müssten nun aber von den UN-Inspektoren geprüft werden. Auch Iwanows Amtskollege Tang sprach sich für eine Fortsetzung der Inspektionen aus. Ebenso blieb Frankreich bei seinem Nein zu einem unmittelbar folgenden Militärschlag.
Großbritanniens Außenminister Straw sagte, falls der Irak nicht kooperiere, werde die Zeit "sehr knapp". Bundeskanzler Schröder bekräftigte seine unbedingte Ablehnung eines Irak-Kriegs.
 
 

06.02.03
S.156
 

US-Außenmininister Powell hat in New York Erkenntnisse über geheime Waffenprogramme von amerikanischen und ausländischen Geheimdiensten präsentiert.
Sämtliche Vorwürfe seien durch klare Quellen gedeckt, sagte Powell.

Auszüge aus den vorgelegten Indizien:

Tonband: Ein Gespräch zwischen zwei irakischen Offizieren, mitgehörtam 26.November 2002, einen Tag vor Wiederaufnahme der UN-Waffenkontrollen im Irak."Wir haben dieses umgebaute Fahrzeug.Was sollen wir tun, wenn sie es sehen?", fragt einer. "Ich komme morgen vorbei", sagt der andere. "Wir haben alles evakuiert. Hier ist nichts mehr."

TONBAND: Ein Gespräch zwischen einem Beamten der Republikanischen Garde und einem Mitarbeiter vom 30. Januar: "Die untersuchen die Munition, die du hast, ob da was Verbotenes dabei ist. (...) Wir haben dir gestern eine Mitteilung geschickt, alles zu säubern, die ResteEcken und die verlassenen Bereiche.Stell'sicher, dass nichts mehr da ist.

FOTO: Eine Aufnahme der Munitionsfabrik Taji. Vier der Bunker enthielten chemische Kampfstoffe, sagte Powell. An den Bunkern seien Warnzeichen. Davor stünden besondere Wachen mit Spezialgerät, um Lecks zu prüfen. Der Lastwagen vor dem Gebäude enthalte Gegengift

FOTO: Abtransport ballistischer Raketen am 10. November 2002. An einer anderen Fabrik zwei Tage vor dem Besuch der Inspekteure Ankunft von riesigen Lastwagen mit Kran, um Raketen abzuholen

AUGENZEUGENBERICHT: Ein irakischer Chemieingenieur berichtet von der Produktion von Biokampfstoffen unter der Nase der früheren UN-Inspekteure. Die Produktion sei immer am islamischen Ruhetag, dem Freitag.

GRAFIK: Skizze von mobilen Biowaffenlaboren, nach Angaben von Powell auf Grund technisch präziser Angaben von Überläufern.

VERSTECKE: Saddams Sohn Kusai habe den Abzug aller verbotenen Waffen aus den Palästen seines Vaters angeordnet, sagte Powell. Forscher hätten Unterlagen in ihren Wohnungen versteckt. In Waffenfabriken seien Computerfestplatten ausgewechselt worden. Raketenabschussbasen und mit Biowaffenbestückte Gefechtsköpfe seien in den Westen des Landes gebracht worden.

ÜBER WISSENSCHAFTLER: Alle Wisseschaftler wurde die Todesstrafe angedroht, wenn sie den Inspekteuren wichtigen Informationen enthüllen. Wer sich außerhalb des Landes befragen lasse, werde als Spion behandelt.

ÜBER CHEMIEWAFFEN: Der Irak hat nach US-Schätzung 100 bis 500 Tonnen chemische Kampfstoffe.

ÜBER DAS ATOMPROGRAMM: Der Irak versuche seit 1998, sich im Ausland spaltbares Material für den Bau von Atombomben zu beschaffen. Der Irak habe mehrfach versucht, im Ausland Aluminiumröhren zu bestellen, die nach Überzeugung der US-Regierung für Zentrifugen zur Anreicherung von Uran gedacht waren.

ÜBER DIE TERRORISTENVERBINDUNG: Der Irak beherberge ein Terrornetzwerk, das von Abu Mussab el Sarkawi geleitet werde, einem engen Verbündeten von Osama bin Laden. Sarkawi habe im Nordosten des Irak ein Trainingscamp mit Giftlabor eingerichtet. Powell wies ein Foto vor, das die Anlage zeige. it Sarkawis Ankunft hätten sich in Bagdad fast zwei Dutzend seiner engsten Gefolgsleute niedergelassen. Sarkawi habe aus dem Irak heraus etwa die Ermordung des USDiplomaten Foley im Oktober in Jordanien dirigiert. Saddam habe Al Kaida in den 90er Jahren in Afghanistan durch seine Sicherheitsleute Nachhilfe bei der Dokumentenfälschung gegeben.

 


Nachtrag
5.6.03
5.2.04
5.4.04

9.9.05
Die von Außenminister Powell vorgetragenen angeblichen "Beweise" erwiesen sich inzwischen als falsch oder konstruiert. Nähere Infos dazu: 
   
ZEIT 24/5.6.03,   taz 5.4.04,  FR 5.2.04  
  

Powell bedauert Irak-Rede vor UNO

Ex-US-Außenminister Powell hat in einem Interview seinen Auftritt im UN-Sicherheitsrat im Februar 2003 im Vorfeld des Irak-Kriegs bedauert.
Er fühle sich "furchtbar" wegen seiner Argumentation, die sich später als unhaltbar herausgestellt hatte. Es sei ein "Schandfleck" seiner politischen Karriere, so Powell im Sender ABC.
Powell hatte damals die UNO über die angeblich existierenden Massenvernichtungswaffen des Irak informiert. Nach der Invasion wurden allerdings keine solchen Waffen gefunden.

[ARD-Text, 09.09.05, S.124]
 

Link-Tipp Lexikon der Propaganda: "Disinfopedia":
Unter www.disinfopedia.org sind mutmaßliche Falschmeldungen/ Irreführungen der US-Regierung vor einem Irak-Krieg zusammengestellt. Internet-User können eigene Beiträge über ihre Erfahrungen hinzufügen. In Anlehnung an die dem Irak vorgeworfenen Massenvernichtungswaffen (weapons of mass destruction) lautet der Titel der zusammenfassenden Darstellung «Massentäuschungswaffen» (weapons of mass deception).
Das Projekt war in der vergangener Woche vom nicht-kommerziellen «Zentrum für Medien und Demokratie» in Madison (US-Staat Wisconsin) gegründet worden. Das Ziel ist eine allgemein verfügbare Enzyklopädie der Propaganda mit dem Namen «Disinfopedia».
 [dpa-Meldung, 6.3.03]
  


Stand: 09.09.05/zgh  Spezial:  Irak-Konflikt > Nachrichten Presse

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